Deutscher Presserat missbilligt Artikel auf FR-Online

Nähe zu Erdogans UID ist journalistische Konstruktion

Drei Möglichkeiten hat der Deutsche Presserat, die „Freiwillige Selbstkontrolle der Printmedien und ihrer Online-Auftritte“, um auf unwahre Behauptungen oder fehlende Sorgfalt in der Recherche zu reagieren. Anhand von Beschwerden überprüft er – laut Selbstverpflichtung – die Einhaltung ethischer Regeln im Journalismus aus dem Pressekodex: Hinweis, Missbilligung oder Rüge.

Im Falle einer konstruierten Nähe des FREIE WÄHLER-Vorsitzenden Engin Eroglu zu türkischen AKP-Organisationen in zwei Artikeln der Frankfurter Rundschau, die auch in andere Medien der Ippen-Media-Gruppe eingeflossen ist, hat der Deutsche Presserat die Missbilligung als Reaktion auf negative und mangelhaft recherchierte Veröffentlichungen gewählt und dem Medium nahegelegt, diese Reaktion auch selbst zu veröffentlichen.

Unfairer Eingriff in die Landtagswahl
Es ist schade, so Eroglu, dass die Ippen-Gruppe erst vom Deutschen Presserat darauf hingewiesen werden muss, wie seriöser Journalismus funktioniert. Die FREIE WÄHLER Hessen erheben in diesem Zusammenhang einen schweren Vorwurf wegen des unfairen Eingriffs in die vergangene Landtagswahl. Wenige Tage vor der Wahl war keine gleichwertige, klarstellende Reaktion mehr möglich.

Zwei Besuche von Eroglu bei der - von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gemeinsam mit Recep Tayyip Erdoğan gegründeten - Organisation UID, deren Einladungen nach Schröder auch zahlreiche andere Politiker fast aller Parteien gefolgt sind, wurden als „bedeutend“ dargestellt. Außerdem wurde in Limburg die positive Erwähnung einer bosniakischen Moschee durch FREIE WÄHLER, deren Entstehung zuvor der SPD-Bürgermeister von Limburg, Dr. Marius Hahn, ausdrücklich gelobt hatte, als Beleg herangezogen, um eine nicht vorhandene Nähe zu konstruieren.

Unzureichende Recherche und mangelnde Sorgfalt
Schließlich wurden durch FR-Autor Erkan Pehlivan (vor seiner Ippen-Zeit Chef einer türkischen Agentur der einst AKP-nahen und später Erdogan-feindlichen Gülen-Bewegung) eine Meldung in türkischen Medien zur Bestätigung herangezogen. Diese stammt allein aus der Feder einer staatsnahen Presseagentur und spiegelt als kurze Notiz Meldungen aus Deutschland.

Der Presserat, der die Missbilligung einstimmig ausgesprochen hat, kritisierte, dass 2 Begegnungen in 6 Jahren keine solche Konstruktion rechtfertigten. Zudem, so der Presserat, wäre aufgrund der Erheblichkeit der Vorwürfe zwingend die Konfrontation Eroglus mit den konkreten Vorwürfen erforderlich gewesen. Dass diese bei beiden Beiträgen nicht erfolgt sei, widerspräche dem Sorgfaltsgebot.

Widerspruch zur geprägter Sozialisation
Die Vorwürfe stehen im Widerspruch zu Engin Eroglus christlich geprägter Sozialisation in der Konfirmationsstadt Schwalmstadt. Auch dass die FREIE WÄHLER die Beobachtung des UID gefordert haben, wurde in der Begründung des Presserates erwähnt. Eroglu kann sich schwer vorstellen, dass Präsident Erdogan ihn – angesichts vieler AKP-kritischer Äußerungen - überhaupt begrüßen würde. Dass für den Deutschen Engin Eroglu allein die türkische Herkunft seiner Familie ausreicht, um seine spärlichen und nur der Höflichkeit geschuldeten UID-Kontakte anders zu bewerten als die von deutschen CDU-, FDP- und SPD-Politikern, passe nicht zu einem serösen, demokratischen Medium.

 

Die Entscheidung des Presserats im Wortlaut